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Rucksackfasnet 2010 | SZ
Schwäbische Zeitung | 13.02.2010 

Für die Rucksackfasnet wird das Feuerwehrhaus zu eng

Prominente Gäste geben der 20. Rucksackfasnet die Ehre, darunter die Jacob Sisters samt ihren weißen Pudelhunden.
Prominente Gäste geben der 20. Rucksackfasnet die Ehre, darunter die Jacob Sisters samt ihren weißen Pudelhunden.

(WALD/stt) „Anbauen“ lautete die Empfehlung, die die Gäste der 20. Rucksackfasnet den „Gaggerern“ für das nächste Jahr mitgaben. Tatsächlich platzte das Feuerwehrhaus am „Gaggererdienstag“ aus allen Nähten. Zum Jubiläum haben die Narren der Malteser wieder einmal ein Feuerwerk an närrischen Ideen gezündet.

„Zom kaufa gibt’s nix“, das ist den Gästen der Rucksackfasnet schon seit zwei Jahrzehnten bekannt. Angeschleppt und beim Eintritt präzise gewogen wurde deshalb, was die Besucher der Rucksackfasnet beabsichtigten, an diesem Abend zu essen und zu trinken. „Das reicht einer Familie normalerweise für vier Wochen“, wunderte sich Gaggerer-Präsident Clemens Veeser, als das Gesamtgewicht aller mitgebrachten Rucksäcke mit 717 Kilogramm bekannt gegeben wurde. Richtig mit ihrer Schätzung - ein alljährliches Spiel, das den Gaggerern ein paar Euro zu den Kosten der Rucksackfasnet zurückbringt – lagen übrigens Florian Fürst und Gerlinde Schweikart, die beide als Hauptgewinn einen gut gefüllten Rucksack in Empfang nehmen durften.

Im Vorfeld strapazierten die Gaggerer Schlag auf Schlag mit Aufführungen, Sketchen und gespielten Witzen die Lachmuskeln der Besucher, darunter viel illustre Prominenz – allesamt von den Gaggerern dargestellt - wie Angela Merkel samt Bodyguard, Barack Obama, die Jacobs-Sistern, Johann Lafer, Lady Gaga, Hansi Hinterseer oder die längst Dahingegangenen, Otto von Bismarck und Charly Chaplin, aufs äußerste. Fußballkönigin Birgit Prinz alias Andrea Bogner-Unden verzichtete auch in diesem Jahr trotz beängstigender Enge nicht auf ein Fitnesstraining zum Start und Clemens Veeser, der seit 20 Jahren durch das Programm führt und noch immer auf einen riesigen Fundus an mehr oder weniger schlüpfrigen Witzen zurückgreifen kann, erinnerte als „Ö-Streicher“ an die alpenländischen Nachbarn. Auf der Skipiste, genauer im Skilift, lieferten sich Alexandra und Klaus Erath einen Schlagaustausch der Geschlechter und Kathrin und Rainer Krall sowie Tobias Homberger testeten in ihrem Sketch eindeutig zweideutig das Vokabular eines Drittklässlers.

Steffi Lernhart bereicherte den Abend mit ihrem peppigen Gesang und Helga Merk ließ sich in der Bütt über „die Alte“ aus, von der man sich trotz angesetztem Speck und Runzeln nicht trennen könne, gemeint war allerdings nicht das in die Jahre gekommene Eheweib, sondern die altgediente Lederhose.

Ein Trinkgelage mit „vollmondigen“ Folgen ließen Fidelis und Rainer Krall sowie Tobias Homberger Revue passieren und Lokalreporterin Rosa Huhn alias Herta Lernhart kam in Anbetracht der örtlichen Ereignisse zu der amüsanten Erkenntnis „Yes, we hen“. Einblick in die kleinen und großen Tragödien eines italienischen Albergo gab Ute Hotz-Straub, die sich für diesen amüsanten Auftritt sehr treffend in Luigi verwandelte. Elmar Freudemann und Peter Gehring, die als Speichel Spuck und Rotz Holruff von auswärts nach Wald gekommen waren, verblüfften das Publikum mit einem weltumspannenden Weitspuckrekord. Einen Rückblick auf 20 Jahre Rucksackfasnet gab Ex-Präsident Gerhard Lohr, der aus diesem Anlass die unter die Tische geklebte Rucksackfasnet-Hymne anstimmen ließ.

Auch die „Drei vom Weiherbänkle“, Lydia Fox, Fidelia Restle und Christel Erath, ließen es sich angesichts des Jubiläums nicht nehmen, noch einmal auf die Bühne zurückzukehren. Als Lästermäuler par excellence plauderten sie aus dem dörflichen Pannennähkästchen, berichteten vom Genuss alkoholfreien Kaffees, Schnaps aus Blumenväschen, sandigen Terrorbedrohungen oder vom teuren Schmuckkauf in der Türkei. Mit geballtem Humor nahmen sie die künftigen Tierdenkmäler auf dem Friedhof auf die Schippe oder witzelten über die Vorgänge rund um eine Mutterschaft mit 60.

Zum Finale konnten die Gaggerer auch in diesem Jahr zwei Neulinge in ihren Kreis aufnehmen: Tobias Homberger und Rainer Krall hatten mit drei Rucksackfasnet-Auftritten die Voraussetzungen für das gelbe Gaggerer-Häs erfüllt und wurden mit Eierlikör, Riesenei und Urkunde willkommen geheißen: „Mögest Du weiterhin dem Eierlikör und der Gaggererschar dienen.“

Mit einem dreifachen Kikeriki – Ki überließ Veeser die weitere Gaggerer-Nacht dem Musikverein, der dem Publikum unter der Leitung von Jürgen Schatz das Verweilen bis in die Morgenstunden mit fetzigen Tanz- und Schunkelrhythmen schmackhaft machte.